aktuell Der Pastorale Raum Leben

Wort Gottes Feiern Sommer 2020

Wort-Gottes-Feiern gab es in St. Bonifatius und St. Elisabeth schon in den vergangenen Jahren, nun auch in St. Antonius. Bereicherung oder Mangel – das wird jeder selbst für sich entscheiden. Sicher ist, dass wir am Anfang einer Entwicklung stehen und sich Geist und Formen noch entwickeln. Auf jeden Fall bekommt das Apostolat einer und eines jeden Gläubigen damit ein größeres Gewicht und Laien können Verantwortung übernehmen. Eine spannende Entwicklung in unserer Kirche auf jeden Fall.

In unseren Gemeinden hat Ursula Ros, Gemeindeassistentin in St. Elisabeth die Leitung der Wort-Gottes-Feiern übernommen. In diesem Beitrag und im Gespräch mit Nicola Sauter-Wenzler (Redaktion alsternordwest.de) erläutert sie das Konzept und die bisherigen Erfahrungen.

Man kann ihn nicht lieben und schweigen, schreibt die französische Mystikerin, Dichterin und Sozialarbeiterin Madeleine Delbrêl in „La joie de croire“. Man kann Christus nicht lieben und schweigen.        

Indem er die Apostel zu seinen Nachfolgern, zu Predigern, Dienern und Heilern machte, hat Jesus Christus seine Kirche als eine verkündigende, tätige, feiernde Kirche auf den Weg gebracht – eine Kirche, die beseelt ist vom Heiligen Geist, der ihr Demut, Freude und eine Sprache einhaucht, die die Menschen verstehen. In jeder Heiligen Messe haben wir aktiv Teil an der Verkündigung der Frohen Botschaft: wir beten, loben und danken, bezeugen unseren Glauben, hören und beantworten das Wort Gottes, wir nehmen den sich hingebenden Christus im geteilten Brot in uns auf. Für manche von uns ist es von hier aus nur ein kleiner Schritt, auch zu anderen Zeiten mit Glaubensgeschwistern zusammenzukommen, Gottesdienst zu halten und so auch außerhalb der Heiligen Messe Kirche zu sein.

Möglichkeiten dazu gibt es viele, und viele davon werden schon seit langem in unseren drei Gemeinden gepflegt: das Stundengebet oder Feier der Tagzeiten. Andachten für den Frieden oder für einen anderen Anlass. Versöhnungsgottesdienste. Kreuzwege und Adventliche Besinnung. Männerschola, Lobpreisgruppe und Chorgesang. Stunden der Anbetung und Betrachtung. Und es gibt die Wort-Gottes-Feier, eine bestimmte Form des Wortgottesdienstes, für die es im Erzbistum Hamburg eine besondere Ausbildung gibt. Dass wir keinen Überfluss an Priestern haben und vielleicht schon bald einige unserer gewohnten Messzeiten werden entfallen müssen, mag auch als Anstoß dienen, tätig zu werden und sich schon einmal fortzubilden.

Wir haben also dann mal angefangen. Genauer gesagt, einige hatten schon länger angefangen, haben nun andere kennengelernt, die auch schon unterwegs waren, und haben weitere Neugierige an die Hand genommen, die bereits wieder andere dazuholen. In diesem Sommer setzen sich Gläubige aller drei Gemeinden wieder dafür ein, dass zumindest an den Wochenenden keine Gottesdienste ferienbedingt ausfallen müssen und gehen dafür erstmals auch zusammen in den gesamten Pastoralen Raum. Zu erkennen sind die von Gemeindemitgliedern gestalteten Feiern im Gottesdienstplan an der Bezeichnung „Wort-Gottes-Feier“.

Die bunte Vielfalt an liturgischen Formen, die in unseren Gemeinden schon da ist, möchten wir stärken und pflegen, möchten die Menschen gemeindeübergreifend miteinander bekannt machen, möchten unsere liturgische Landschaft weiter verschönern und Wege zu neuem Lernen und neuer Inspiration ebnen.  

Seien Sie herzlich eingeladen, dabei zu sein!      

Singt, singt, singt dem Herrn, singt dem Herrn ein neues Lied!

       …denn man kann ihn nicht lieben und schweigen.

Ursula Ros, Gemeindeassistentin, St. Elisabeth

Interview mit Gemeindeassistentin Ursula Ros zu den Wort-Gottes-Feiern im Sommer 2020

In den diesjährigen Sommerferien werden in allen drei Gemeinden unseres Pastoralen Raums sogenannte Wort-Gottes-Feiern stattfinden. Ob dies ein Zeichen von Mangel oder Fülle ist, beschreibt Gemeindeassistentin Ursula Ros, die das Projekt betreut, im Interview.

Liebe Ursula, Wort-Gottes-Feiern während der Sommerferien in allen drei Gemeinden, das ist neu. Wie bewertest Du diese Entwicklung?

Ursula Ros: Auf das Thema Wort-Gottes-Feiern kann man durch zwei Brillen schauen: Die erste sieht den Mangel und die Unterstützung, die wir im Pastoralteam von den Gemeindemitgliedern benötigen, um auch in der Ferienzeit das gewohnte Angebot an Gottesdiensten aufrecht erhalten zu können. Die zweite Brille sieht die Lebendigkeit und Fülle, die in unserem Pastoralen Raum vorhanden ist. Das Zweite Vatikanische Konzil hat wieder neu an etwas ganz Wesentliches erinnert: dass nämlich jede und jeder von uns beauftragt ist, den Glauben an Jesus Christus zu bezeugen und weiterzugeben; einfach, weil wir glauben. Jesus hat es uns gesagt. Wenn wir das ernst nehmen, sind tatsächlich wir alle, so wie wir sind, durch unsere Taufe und Firmung zum Priestertum berufen, um gemeinsam eine lebendige Kirche zu gestalten. Jeder und jede von uns darf das aus dem eigenen Glauben heraus tun: für die Kirche und für die eigene Lebenswelt. Denn mein Glaube macht mich zu einem schöpferischen Menschen.

Gibt es genug Interessierte, die ihren Glauben in einer Wort-Gottes-Feier weitergeben möchten?

Ja, die gibt es. In allen drei Gemeinden habe ich Menschen getroffen, die ihr Interesse bekundet haben. Einige haben bereits Erfahrungen gesammelt, andere nicht. Manche sind in den Gemeinden bekannte Gesichter, andere sind es noch nicht. In St. Bonifatius und St. Elisabeth hat es ja bereits in vergangenen Jahren diese Art Gottesdienste gegeben. Jetzt haben auch Menschen in St. Antonius gesagt: „Ja, da möchte ich gerne mitmachen.“

Wie viele Wort-Gottes-Feiern soll es während der Sommerferien geben?

In den kommenden sechs Wochen werden die Vorabendmesse und das Hochamt am Sonntag je zweimal durch Wort-Gottes-Feiern ersetzt – mit Ordnern und Organisten, allerdings bis auf weiteres noch ohne Gemeindegesang.

Wie sieht die Vorbereitung auf die Gottesdienste aus?

Um den entstehenden Teams die Möglichkeit zu geben, mich und sich gegenseitig kennenzulernen, Fragen zu stellen und Termine festzulegen, habe ich in den letzten Wochen zu Treffen in unseren drei Gemeinden eingeladen. An diesen Abenden haben jeweils zwischen sieben und zehn Interessierte teilgenommen. Meine Rolle ist dabei die einer Mittlerin: Ich möchte die Menschen zusammenbringen, gebe Informationen, sammle Fragen und stelle Vorlagen zur Verfügung, die einer ersten Orientierung dienen. Das waren ausdrücklich keine Crash-Kurse, keine Schulungen, keine Fahrplan-Treffen mit fertigen Handouts. Vielmehr so eine Art Forum. Wir haben miteinander ergebnisoffen versucht, das Eigentliche und Große herauszufinden: Wo nämlich die Reise hingehen soll, welche Ideen wir entwickeln wollen und welche Bedürfnisse wir dabei haben und erfüllen wollen.

Wer gibt den liturgischen Rahmen vor?

Natürlich haben wir trotz aller schöpferischen Freiheiten keinen Freibrief, alles zu machen, was uns gerade so einfällt. Denn selbstverständlich gibt es liturgische Blaupausen, die feststehen. Wir wollen daher erkunden, welche Gestaltungsmöglichkeiten wir haben. Da ich nicht unbedingt auf alle aufkommenden Fragen eine Antwort habe, halte ich im Zweifel Rücksprache mit Pfarrer Mecklenfeld oder frage bei den entsprechenden Stellen im Erzbistum nach. Allerdings sollten wir auch nicht vergessen, dass wir in unseren Gemeinden schon gute Erfahrungen mit Wort-Gottes-Feiern gemacht haben: Denn es gab und gibt bereits Versöhnungs- und Buß-Gottesdienste, Adventsandachten, Scholagesang, Tagzeitenliturgie, Kreuzwege und Anbetungen in der Verantwortung von Gemeindemitgliedern. Im Zweifel schafft meiner Meinung nach die Nachfrage das Angebot: Wenn zum Beispiel der Wunsch nach Austeilung der heiligen Kommunion besteht, dann setze ich mich dafür ein, dass dies mit vorher gewandeltem Brot an allen Gemeinden durchgeführt werden kann.

Wo erhalten diejenigen, die sich für die Leitung von Wort-Gottes-Feiern ausbilden lassen wollen, eine Schulung?

Ich selbst bin noch nicht dazu befugt, Menschen für die Leitung von Wort-Gottes-Feiern auszubilden. Daher waren die vorhin genannten Treffen auch keine Ausbildungstreffen, sondern dienten der Koordination und Inspiration. Ich habe mich aber sehr gefreut, dass sich nach den ersten Treffen bereits fünf Interessierte dazu entschlossen haben, die vom Erzbistum Hamburg angebotene Ausbildung zum Wort-Gottes-Leiter/in wahrzunehmen. Entsprechende Angebote finden sich auf der Internet-Seite des Erzbistums und werden laufend aktualisiert:

https://www.erzbistum-hamburg.de/Kalender_Veranstaltungen-und-Termine

Was hat Dich dazu bewogen, das Thema Wort-Gottes-Feiern so intensiv anzunehmen?

In meiner Ausbildung zur Gemeindereferentin wähle ich ein Schwerpunktprojekt, das für den Pastoralen Raum Relevanz hat. Seit August vergangenen Jahres konnte ich den Eindruck gewinnen, dass bei den Menschen in unseren Gemeinden sehr viel Lust, Kompetenz und Tatendrang vorhanden ist. Ich möchte gerne dazu beitragen, all das freizusetzen, Vernetzung herzustellen und liturgisches Wissen zu vertiefen. Es kann unserer neuen großen Pfarrei nur guttun, davon bin ich überzeugt. Sicherlich wird es eine Zeit dauern, bis auch neue Formen ihren Platz im Gemeindeleben finden, aber ich werde gezielt dafür arbeiten und dazu einladen. Außerdem bin ich mir sicher, dass durch die Freude, die wir bei der Vorbereitung und während der Durchführung der Gottesdienste erleben und die wir bestimmt auch ausstrahlen, eine Art Domino-Effekt entsteht, der viele Menschen zum Besuch dieser Feiern motivieren wird.

Das Gespräch führte Nicola Sauter-Wenzler