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Nehmt Neuland unter den Pflug

Nehmt Neuland unter den Pflug

Liebe Verwandte, Freunde und Bekannte,

Nehmt Neuland unter den Pflug
Dieses Wort des Propheten Hosea lässt mir keine Ruhe. Es begleitete mich am 01.09. 2020 in den Ruhestand. Ruhestand ist für mich in der Tat Neuland. Ich vermisse die. mit denen ich als Pfarrer verbunden war. Fast 50 Jahre war für mich weitgehend der Dienst Leben und Erfüllung.

Nehmt Neuland unter den Pflug
Mit einem wunderbaren Open-Air-Gottesdienst mit Gesang nach Monaten und offiziellem Dank wurde ich in HH-Winterhude verabschiedet. Anschließend durfte ich noch zwei Stunden persönlichen Dank und Abschied erleben. Es hat mich bewegt zu hören, was ich in den vergangenen Jahren Einzelnen, Familien oder Gemeinden gegeben haben soll. Es scheint mehr gewachsen zu sein, als ich ahnte – Dank sei Gott.

Nehmt Neuland unter den Pflug
Inzwischen wohne ich in Wohngemeinschaft mit Pfarrer Langer im Pfarrhaus der Pfarrei Maria und Joseph in Harburg. Wir treffen uns morgens zur Laudes und zum Frühstück, mittags zum Mittagessen und abends zur Komplet. Das tut gut. Ich habe die Küche übernommen. Das gibt meinem Tag eine Struktur. Beim Aufwachen (und auch im Gottesdienst) kommt mir allerdings oft der Gedanke: Was koche ich heute?

Nehmet Neuland unter den Pflug
Wir haben verabredet, dass ich – außer in Notfällen – bis Ende des Jahres keine Gottesdienste übernehme. Das ist nicht leicht, aber hilft mir, mich neu zu orientieren. Ich habe Zeit (manchmal zu viel), lerne Leute kennen, geh einkaufen, koche, lese, bete, denke nach, arbeite an einem Artikel, mache einzelne Besuche, regelmäßig einen Spaziergang, bemühe mich um „Digitalkompetenz“ und beginne manches in einem neuen Licht zu sehen…

Nehmt Neuland unter den Pflug
Mit unserer Gemeinschaft im Fokolar treffen wir uns zurzeit montags per Videokonferenz. Wenigstens das! Ich habe begonnen, am Montag jeweils einen Bruder real zu besuchen. Das macht einen Unterschied. Begegnungen von Angesicht zu Angesicht sind doch unersetzlich.

Nehmt Neuland unter den Pflug
Die Gemeinden hier sind durch Schulschließungen stark gebeutelt. Bis September 2021 soll zudem südlich der Elbe aus vier Gemeinden eine Großpfarrei mit ca. 25.000 Mitgliedern entstehen. Ich staune, wie viele sich trotz allem engagieren. Glaube und Gemeinschaft im Glauben ist ihnen offensichtlich wichtig – die Institution Kirche eher ein Problem.

Nehmt Neuland unter den Pflug
Durch die furchtbaren Missbrauchsgeschichten und das Versagen gegenüber den Opfern wird unsere Kirche richtig umgepflügt. Als ehemaliger Beauftragter sehe ich im Rückblick-auch eigenes Versagen. Ich hätte mich mehr um die Opfer kümmern müssen. Das bedaure ich sehr. Ich hoffe und bete nicht nur um einen guten Weg sondern, dass unsere Kirche wirklich Neuland unter den Pflug nimmt.

Nehmt Neuland unter den Pflug
Das Neuland schlechthin liegt immer vor uns. Im vergangenen Jahr habe ich erfahren und auch erlitten, dass viele, mit denen ich verbunden bin, mir dorthin vorausgegangen sind. Ich denke z.B. an meinen älteren Bruder Heinrich oder Sr.Teresa vom Karmel. Inzwischen kenne ich im Himmel mehr als auf der Erde…

Nehmt Neuland unter den Pflug
„A.E.I.O.U. – Ein alter Esel jubelt ohne Unterlass“. 2021 ist im Januar mein 75. Geburtstag. Unter den gegenwärtigen Bedingungen werde ich ihn in aller Stille begehen. Am 26. Juni bin ich 50 Jahre Priester. Geplant ist, dass wir als Weihekurs um 12.00 Uhr im Dom zu Osnabrück eine Hl. Messe feiern. Wir werden sehen, was möglich ist.

Nehmt Neuland unter den Pflug
Corona-Pandemie – Viele Jahre habe ich mich geärgert, dass die Evangelien zum Ende des Kirchenjahres und zum Beginn des Advents von einer weltweiten Katastrophe sprechen.
Mir erschien das irgendwie unwirklich. Jetzt erleben und erleiden wir es hautnah.
Kann es sein, dass das Wort des Hosea heute seine eigene Bedeutung gewinnt?

Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen;
Dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten.
(Hos 10,12)

Eine gesegnete Advent- und Weihnachtszeit und ein gutes Jahr 2021 (trotz allem)

Ihr / Euer
Ansgar Hawighorst

Foto: ingimage